Polyurethan oder Polyurea ?

In Bezug auf ihre chemische Beschaffenheit gibt es Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Polyurethan und Polurea. Da beide Arten den Bestandteil ISO in der B-Komponente verwenden, finden sich die Unterschiede hauptsächlich in der A- Komponente. Der Bestandteil „A“ der Polyurethanarten kann verschiedene Polyole (Polyether, Polyester) beinhalten und erfordert normalerweise mehrere Katalysatoren, um eine schnelle Vernetzung und Durchhärtung zu erzielen. Ein Vorteil der Polyurethanarten ist, dass der Katalysator dosiert werden kann, um die Reaktion (z.B. Verhärtung, Vernetzung) je nach Anwendung zu kontrollieren. 

Manche Einsatzbereiche erfordern Feinarbeit, deren Ergebnis bei zu schnellem Erstarren der Substanz wie eine Orangenhaut aussehen würden. In weiteren Anwendungen muss das Material in Ritzen eindringen können und benötigt deshalb eine längere Härtezeit. In diesem Anwendungsbereich ist es wichtig, ein Polyurethan zu wählen, mit dem die Härtezeit kontrolliert wird. Mit der Dosierung des Katalysators kann  man eine sekundenschnelle Reaktion herbeiführen, auch bei tiefen Temperaturen.


Die Arten des Polyurea sind charakterisiert durch „Polyether-Amine“ oder Zusammensetzungen von Aminen. Diese Arten von Polymeren sind sehr reaktiv und erfordern deshalb keinen Katalysator, da sie „Autokatalysatoren“ sind. Die Reaktionszeit ist kurz (zwischen 5-15 Sekunden) und das Vernetzen auch auf kalten Oberflächen hervorragend. Die Reaktion ist so schnell, dass das Polyurea nicht mit Feuchtigkeit und Wasser, welches sich auf den Oberflächen befindet, reagieren kann. 




Ein Nachteil des Polyureas könnte die zu schnelle Reaktion darstellen. Vor allem für Anwendungen, welche eine glatte Oberfläche erfordern und deshalb eine längere Reaktionszeit benötigen. Die Temperaturentwicklung ist aufgrund der schnelleren Reaktionsgeschwindigkeit in der Regel höher als beim Polyurethan.


Polyurea hat im Gegensatz zum Polyurethan keine nennenswerten Isoliereigenschaften, ist aber in den Bereichen der Oberflächenfestigkeit und vielen weiteren Eigenschaften nicht mit Polyurethan zu vergleichen.


Eine Zwischenstufe sind Hybride. Das ist ein Polyurea mit Anteilen von Polyurethan. Diese Hybride sind zwar etwas günstiger, haben dafür aber nicht die Eigenschaften wie reines Polyurea.


Beide Varianten sind zwei Komponenten Systeme und werden mittels Hochdruckmaschinen verarbeitet. Je nach gewünschter Materialstärke wird das Material in mehreren Schichten aufgespritzt. Polyurea und Hybride können für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke formuliert werden. Dabei werden insbesondere die Oberflächenhärte, die Chemikalienbeständigkeit oder auch die Dehnfähigkeit an die Anforderungen angepasst.